Geschichte

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1919 - 1945

Fußball, Geld und Weiber

Eines vorneweg: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war der anno 1919 ins Leben gerufene FVW nicht der erste Fußballklub in Waldsee. Jedenfalls heißt es im Waldseer Tagblatt vom 11. August 1909: „Gestern Abend wurde in der Fürstlichen Hofwirtschaft ein Fußballklub mit dem Namen ´Suevia` gegründet, dem fortan 12 Mann und 4 als Ehrenmitglieder beitraten.“ Mehr lässt sich aber nicht mehr rekonstruieren, während von den Anfängen des FVW folgendes überliefert ist:

Ein gutes halbes Jahr nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde der Fußballverein Waldsee gegründet. Wer nun diese ersten Herren waren, kann heute niemand mehr genau sagen. Josef Becherer könnte der Gründungsvorsitzende gewesen sein? Dafür ist das genaue Datum der Gründungsversammlung des Fußballvereins Waldsee bekannt: Samstag, 30. August 1919 im "Wilden Mann". Nachdem sich dort bereits am Montag zuvor eine „hübsche Anzahl junger Leute“ getroffen hatte, um einen Fußballklub zu gründen. Das Waldseer Tagblatts aus jenen Tagen berichtet, dass am Samstag, den 7. September 1919 ein erstes Trainingsspiel bei strömendem Regen auf der Bleiche stattgefunden hat. Das erste Wettspiel folgt kurz darauf beim FV Leutkirch, dem die Waldseer Elf „durch ihr gutes, flaches Zuspiel überlegen war“. Mit einem schönen 6:1-Sieg kommt sie daher nach Hause. So läuft alles gut an und man feiert bald beachtliche Erfolge gegen Mannschaften, die sich schon viel länger dem Fußballsport widmen. Diplome werden errungen und wichtige Grundlagen für die damaligen Fußballer sind Geselligkeit und Kameradschaft. Nicht umsonst wird der erste (uns bekannte) Trainer von allen liebevoll nur "Papa Hepp" genannt. Sein richtiger Vorname lautete Wilhelm. Fritz Mettenleiter, wohl der erste Vorsitzende und Franz Kessler, der erste Spiele vermittelt und von 1922 an 32 Jahre lang dem Verein als Kassierer dient, sind die ersten prägenden Figuren des Waldseer Fußballlebens.

Die Meistermannschaft von 1924, stehend von links nach rechts: Hermann Kränzl, Alois Zech, Max Böckeler, Josef Bauer, Gebhard Wiedmann, Josef Heine, Walter Kirchgraber, Gustl Rohr, Franz Hofmeister; vorne: Vorsitzender Fritz Mettenleiter, Karl Aich (Spieler) und Trainer Wilhelm "Papa" Hepp.
Die Meistermannschaft von 1924, stehend von links nach rechts: Hermann Kränzl, Alois Zech, Max Böckeler, Josef Bauer, Gebhard Wiedmann, Josef Heine, Walter Kirchgraber, Gustl Rohr, Franz Hofmeister; vorne: Vorsitzender Fritz Mettenleiter, Karl Aich (Spieler) und Trainer Wilhelm "Papa" Hepp.

Zeitzeuge Alfred Birk erzählt von „Papa Hepp“ und seiner Art, Spielerversammlungen zu leiten und taktische Maßnahmen zeichnerisch genau zu erläutern. Oder von Hermann Kränzl, der aus seiner Meinung nie einen Hehl macht und daher - trotz seiner Anstellung beim Finanzamt - allenthalben als „Kommunisten-Kränzl“ bekannt ist.
Mitte der 20er Jahre existieren vorübergehend zwei Waldseer Fußballvereine. Der zweite als Arbeiter-Sport-Verein (ASV), damals vielerorten in Mode gekommen. Fred Birk erinnert sich noch an deren Kicker, den Kommunisten Hermann Miller und an Eugen Gronmaier, von dem er genüsslich sagt: "Der hot a Feila g'het, au au au, der isch nei g'fahre."


Dokument aus dem Jahr 1929: Spielerpass von Anton Egle, ausgestellt vom Süddeutschen Fußballverband.
Dokument aus dem Jahr 1929: Spielerpass von Anton Egle, ausgestellt vom Süddeutschen Fußballverband.

Bei der Machtübernahme durch die Nazis in Deutschland (1933) gibt es allerdings nur noch einen Fußballverein in Waldsee. Dessen neuer 1. Vorsitzender Deininger (Lehrer Mettenleiter war 1932 versetzt worden und musste deshalb aufhören) sieht sich einem wohlbekannten Problem gegenüber: Der FV Waldsee soll den Bierbedarf bei seinen Veranstaltungen von der Fürstlichen Brauerei in Steinach beziehen, um Schuldnachlass gewährt zu bekommen. Aus dieser Situation heraus ergibt sich, dass der Fußballverein auf einer Versammlung am 23. September 1933 im „Grünen Baum“ in die Turngemeinde (TG) eingegliedert wird und fortan die Körperertüchtigung auch in den Turnstunden sucht. Zum Beispiel bei TG-Wettkämpfen gegen SA-Leute, die aber im Weitsprung so wenig Chancen wie im Hochsprung hatten, weil "SA-Leit jo it noachekomma send", wie Fred Birk noch weiß. Im Gegensatz zu Birk, der laut Erich Müller, „eine Kuttel hatte wie kein anderer“ und selbige beim ersten Verbandspiel 1938/39 gegen Aitrach nachhaltig unter Beweis stellt: Er tritt nämlich in der Halbzeitpause besagten Spiels zum 3000 m-Lauf im Leichtathletik-Städtevergleichskampf Aulendorf, Schussenried, Buchau, Waldsee an, um selbigen prompt zu gewinnen, ehe er weiterkickt und zum 4:0-Sieg über die Aitracher beiträgt.


Ein anderer Zeitzeuge war Josef Bauer. „Vor 1919" hond mir ieberall rommkigged", erinnert sich der Fußball-Veteran: im Finsteren Moos, das in Steinach nahe der Bahnlinie hinter der alten Bauernschule liegt und sogar eine Hütte zum Umziehen vorweisen kann, später natürlich auch auf der Bleiche. Das Hotel Post dient als Geburtsort des FVW, weiß Bauer noch, und dass den etwa „20 Hauptkicker" ins Leben rufen, und alles „gut gelaufen" ist am Anfang. So reist man bei Auswärtsspielen halt mit dem Fahrrad an; vermittelt hatte solche Begegnungen ein gewisser Kessler Franz, „der hoat mit seine kromme Fiaß d'Arbed g'schaffed", schmunzelt Bauer.


Darüber und über sportliche Erfolge wie das Erringen der C- und B-Klassenmeisterschaften (oder waren es sogar die B- und A-Klassenmeisterschaften?) erzählt Bauer, ebenso wie über ein legendäres Spiel gegen Titelanwärter Tettnang in den dreißiger Jahren auf der Bleiche. „0:2 häm mir verlora g'hett en dr Halbzeit, abr noch händ dr Hofmeister Franz, dr Hepp und dr Bauer no drei Dor g'schossa." Hingegen seien Teams aus Schussenried und Mochenwangen „fast gar besser als mir" gewesen.

1922/23: Spiel gegen den SV Mochenwangen auf der Bleiche, Waldsee in den gestreiften Trikots. Man beachte das aus Holzbalken zusammengezimmerte Torgerüst!

Bei den Waldseer Kickern, in der hinteren Reihe (von links), handelt es sich um Karl Aich, Max Böckeler, Hermann Müller, ? Herrmann, Hermann Kränzl, Paul Frankmannn und ganz rechts Franz Kessler. Vorne sitzen Walter Kirchgraber (2. von links) und Torwart Georg Immler (4.); die Namen der drei anderen Waldseer liegen uns leider nicht vor.
1922/23: Spiel gegen den SV Mochenwangen auf der Bleiche, Waldsee in den gestreiften Trikots. Man beachte das aus Holzbalken zusammengezimmerte Torgerüst!

Bei den Waldseer Kickern, in der hinteren Reihe (von links), handelt es sich um Karl Aich, Max Böckeler, Hermann Müller, ? Herrmann, Hermann Kränzl, Paul Frankmannn und ganz rechts Franz Kessler. Vorne sitzen Walter Kirchgraber (2. von links) und Torwart Georg Immler (4.); die Namen der drei anderen Waldseer liegen uns leider nicht vor.

Josef Bauer kramt weiter in der Vergangenheit, erzählt von der Machtübernahme 1933, von der Vorkriegszeit, betont aber: „Mir warad Fußballer ond koine Kriager." Zwischenzeitlich sei jedoch Spielermangel zu beklagen gewesen, "aber „do hond mir jeden g'holad, der einigermaßa gradaus laufa kenna hod". Auf Ordnung und Anstand wird offenbar trotzdem Wert gelegt, denn „mir hend natierlich au aufpasst, dass des rechta Kerla send". Die sind damals freilich eher im Turnverein zu finden, der genießt in diesen Jahren jedenfalls ein weitaus höheres Ansehen.


Überdies hätten von der Gründung bis zum Kriegsausbruch - wie sich die Geschehnisse doch ähneln - Geld und Weiber wichtige Rollen gespielt. „Geld hend mir scho g'hett", erinnert sich Bauer. Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder werden erhoben, die Trikots müssen die Spieler selbst kaufen und besorgen. Indes, Unterschiede hat es in dieser Hinsicht scheinbar auch damals gegeben: Einige gut Betuchte kicken genauso mit wie ein paar arme Bedienstete von der Bahn - zu letzterer Gruppe zählte sich Josef Bauer. Eine Geldquelle für den Verein sei im Übrigen auch das Veranstalten von samstäglichen Tanzabenden gewesen, während man mit der Fasnet nichts am Hut gehabt habe. 


Streit und Händel habe es selbstverständlich manches Mal gegeben, „aber bloß wega de Weibr", berichtet Bauer. Alkohol habe man auch getrunken, er selbst jedoch nur in Maßen: „A Moaß Bier, noach war Schluss." Vermutlich war solche Abstinenz das Erfolgsrezept für die langjährige Karriere des Josef Bauer. Der jagt nämlich noch als (über) 40-Jähriger hinter dem Ball her und beendet seine Laufbahn erst, als er sich bei einem Spiel eine schlimme Verletzung in Form von blauen Zehen einhandelte.
Die Kriegsjahre von 1939 bis 1945 bringen eine vergleichsweise „flaue Zeit" für Waldsees Kicker. Der Verein besteht zwar weiter, gespielt wurde allerdings nicht mehr so oft und meist „nur" in Freundschaft. Schließlich fehlt es am Personal, „dia Leit send ausananderg'rissa worra". Malheur mit den Nazis hatten die Balltreter jedoch nicht zu befürchten, weiß Bauer noch. Woraus sich wohl auch schließen lässt, dass sich die Wadseer Kicker den Vasallen von Hitler und Co. einfach fügten. Schließlich waren die Nazis schon 1933 penibel hinter "Staatsfeinden" und Andersdenkenden her, wie ein Schreiben der württembergischen Polizei an das Oberamt Waldsee belegt. Darin heißt es, dass die "Aufnahme ehemaliger Marxisten in Sportvereine" verhindert werden müsse, "durch Vorlage eines polizeilichen Führungzeugnisses".

1933

Quellen: FVW-Protokolle, FVW-Jubiläumsschrift 1994, Winfried Hummler.

1946 - 1974

Geheimsitzung vor der Wiedergründung

Endlich wieder selbständig
Einschränkungen mussten sich die Waldseer Balltreter nach Kriegsende gefal­len lassen, wie aus einem Vereinsproto­koll hervorgeht: „Nach dem Zusam­menbruch war auch der gesamte Sportbetrieb zum Erliegen verurteilt." Jede Vereinigung, gleichgültig ob sportlich oder gesellschaftlich, war durch die französische Besatzungsmacht verboten worden. Später erlaubte sie jeder Stadt mit weniger als 20 000 Einwohnern einen Sportverein, der durfte allerdings dann mehrere Abteilungen haben. Erich Müller, Willi Gröber und Karl Huchler nehmen sich der 16 Seiten Formulare an, bestätigen ihre Parteilosigkeit und gründen den TSV, den Turn- und Sport­verein Waldsee, dem zunächst nur Turner und Fußballer angehör­en, bevor Ruderer und Bergsteiger dazukommen.
Der erste inoffi­zielle Boss der Fußballabteilung, etwa 1946, ist der Wirt der "Post", Leopold Schlögl. Nicht, dass er außergewöhnlichen Fußballverstand besessen hätte; nein, er hatte ganz andere Vorzüge: zwei bildhübsche Töchter und ein Hotel, also Verpflegung. Die Franzosen haben ihre Freu­de daran und die Fußballer ihre Ruhe sowie ausreichend Schokolade und Zigaretten durch die Schmuggel-Connections von Schlögl. Was sie nicht haben, ist ein Fußballplatz hinter dem See, der im Krieg zum Ackerland umfunktioniert worden war. So weichen sie erst einmal aus ins "Riedstadion" nach Steinach, schließlich ist eine Wiese besser als ein Acker. In diesem Sportverein Waldsee, Abteilung Fuß­ball, fanden sich, junge und alte Spie­ler zusammen, um wieder eine Mannschaft zu bilden und um sich schon im Sommer 1946 wieder an den Rundenspielen der Kreisklasse zu beteiligen.

Endlich wieder selbständig

Im Herbst 1946 wechselt Waldsee, ebenso wie Mochenwangen, dann in die Kreisklasse Allgäu, wo man auf Bergatreute, Kißlegg, Aitrach und Bad Wurzach trifft. Im zweiten Halbjahr 1949 gestattet die Militärregierung, dass sich die einzelnen Abteilungen selbständig machen. Nachdem sich Ruder- bzw. Turnverein zuerst vom Sportverein gelöst haben, ziehen die Fußballer nach. „Was allen eine wohl­tuende Erleichterung war, weil endlich wieder die lange vermisste Selbständig­keit erlangt wurde", heißt es dazu in der Vereinschronik des FVW.



Gründer taufen auf "Fußballverein Schwarz-Weiß Waldsee"

Gründer taufen auf "Fußballverein Schwarz-Weiß Waldsee"

Die Gründungsversammlung im Gasthaus „Rößle" tauft denn am 21. Januar 1950 den neuen (alten) Klub in Fußball­verein Schwarz-Weiß Waldsee. Jener Geburtsstunde gehen zwei Sitzungen voraus. Die eine war „eine zwanglose Aussprache mit einer Reihe treuer und sachverständiger Fußballanhänger, um ein vorläufiges Gerippe der neuen Vereinsführung zu entwerfen". Die zweite war „eine Geheimsitzung der er­sten Mannschaft", in welcher eine Re­solution verfasst wurde, „dass in Zu­kunft Hermann Kränzl keine Rolle mehr spielen soll". Diesem Wunsch wird offenbar Rechnung getragen: Kaspar Ege wird zum Vorsitzenden, Karl Walser zum ersten Vorsitzenden gewählt.


Am Gründungstag stehen dem Verein die altbewährten Spieler aus der vorausgegangenen Epoche zur Verfügung: der Torwart Hanne Liebel, die Verteidiger Erich Müller und Alfons Wirth, die Läufer Heinz Schroers, Willy Gröber, Anton Real, die Stürmer Hansi Opel (Foto), Alf Lan­ger, Alfred Gossner, Gerhard Parusel, Karl Kohn, K. Assfalg, die Ersatzleute Sepp Berger, Elmar Eicher, ferner die Jugendlichen Ackermann und Hör­mann. „Eine zweite Mannschaft und die Jugendmannschaft standen weiter zur Verfügung", heißt es in Vereinsauf­zeichnungen. Und: "Die Frage des Trainers wurde da­hingehend geregelt, dass der Spieler Erich Müller zu einem Trainer-Lehrgang befohlen wird und dann die erste Mannschaft trainiert." Dieser Beschluss wird scheinbar schnell wieder ver­worfen, denn bereits 14 Tage später „war ein Trainer aus Weingarten da, um die lange innegehabte Tabellenfüh­rung wieder zu erlangen", und um von der Bezirksklasse Donau/Bussen mit Sigmaringendorf, Schelklingen, Scheer, Ehingen... in die Landesliga aufzusteigen. Aus sportlichen, vor al­lem aber finanziellen Gründen, denn man versprach sich höhere Zuschauerzahlen und geringere Fahrtkosten, weil alle Gegner (Baien­furt, Ravensburg, Buchau) im 25-km-Umkreis lagen.


Spieler wollen doppeltes Stimmrecht

Spieler wollen doppeltes Stimmrecht

Dieses Vorhaben scheitert, obwohl am 5. Februar 1950 der damalige Tabel­lenführer Sigmaringendorf vor 700 Zu­schauern mit 2:1 besiegt wurde. Der verordnete taktische Unterricht für die Spieler nützen ebenso wenig wie die Angebote, den Kickern die Fußballstiefel zur Hälfte zu bezahlen beziehungsweise die Fuß­baller öfters auf Vereinskosten zu be­wirten. Es hapert halt am Übungseifer („das Training unter Leitung von Trai­ner Wiegand war nur mit fünf Mann besucht"), so dass es im Schlussklassement nur zu Platz sieben langt, was als „rätselhaftes Versagen" eingestuft wird.


Schon vor Beginn der Verbandsrunde waren die Waldseer Fußballer aus Steinach hinter den See zurückgekehrt, um dort mit großer Energie wieder einen Sportplatz herzurichten. Mit Loren und Geleisen planierten sie das Gelände hinter dem See, das im Krieg als Ackerland gedient hatte. Fred Birk, Horst Mettendorf und Willi Gröber (Foto) pflügten den Platz um und säten ihn ein.
Die Spieler Opel und Kohn werden im Mai 1950 in die Auswahl Donau/Bussen berufen. Aber auch Kopf­schütteln und Enttäuschung gibt es: Torwart Liebel wird nach einer Rüge auf Grund seiner schlechten Leistung vereinsintern gesperrt, weil er sich nicht an seine Verpflichtungen in der Spielvorbe­reitung gehalten hatte. Gleichzeitig werden die Gebrüder Real vom '"Rößle" er­mahnt, am Tag vor dem Spiel nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr an Spieler auszuschenken, anderenfalls werde das Vereinslokal gewech­selt. Neuer Torwart für 4 Wochen wird Elmar Eicher. Später, am 20. September 53, ein weiterer unrühmlicher Vorfall, als das Spiel in Oberzell beim Stand von 8:0 gegen Waldsee abgebrochen werden muss. Ein umstrittenes Tor lässt die Schwarz-Weißen entgleisen. Drei absicht­lichen Handelfmetern folgte nach einem Foul der Platzverweis für Ackermann, den Springmann rotbedürftig kommentiert und Willi Gröber den Platz verlassen lässt. 12 Monate Sperre erhalten die drei zusammen, da verblasst sogar die Gegenwehr von Torwart Adolf Langer, der sich erst Steinwürfen der Zuschauer hinter sei­nem Tor ausgesetzt sieht, bevor er wutentbrannt ein angelehntes Fahrrad in die aufgebrachte Menge wirft...
Besondere Attraktivität genießen in den fünfziger Jahren Freundschaftsspiele sowie Pokalturniere. Die werden an Ostern, Pfingsten und sogar am 1. Mai veranstaltet - oftmals vor gewaltigen Zuschauerkulissen. 550 pilgern beispielsweise zum Freund­schaftsmatch gegen den Bodensee/Allgäu-Meister Lindau. Zu den Höhe­punkten zählen natürlich auch freund­schaftliche Vergleiche aller Waldseer Mannschaften gegen die des Lokalriva­len Aulendorf.
Rührig sind die Spieler auch sonst; so beantragt Mannschaftsführer Heinz Schroers bei der außerordentli­chen Generalversammlung am 15. Juli 1950 doppeltes Stimmrecht für alle Mitglieder der ersten Mannschaft. Was jedoch abgelehnt wird. Und Handgelder werden damals auch schon gezahlt - angeblich aber bloß an „neue Spie­ler". Das ruft Unruhe und Neid hervor; schließlich muss vereinbart werden, „dass keiner der Waldseer Spieler For­derungen an den Verein erhebt, weil den 'neuen Spielern' Spesen vergütet werden müssen".


Kassierer werden 1000 Mark geklaut

Über Geldmangel klagt Kassier Franz Kessler auch in der Hauptversammlung 1953. Ein Jahr später müssen sogar die Mitgliedsbeiträge angehoben werden, weil's für den Verein „eine Existenzfrage" ist; Passi­ve zahlen nun 12 Mark im Jahr, Aktive 6 Mark, Jugendliche 2 Mark. Vermut­lich trägt das dazu bei, dass 1956 eine „günstige finanzielle Lage" herrscht. Ein Jahrzehnt danach hat der Verein gar 3000 Mark auf der Habenseite, will für den neuen Trainer Karl Bauer aber allenfalls 100 Mark im Monat locker machen. Eine weise Entscheidung, denn bald darauf werden dem Kassier Max Wolf die gesamten Einnahmen ei­ner Veranstaltung in der Stadthalle in Höhe von 1041 Mark geklaut. Aus der eigenen Wohnung. Für den Bestohlenen ist es jedoch eine Selbstverständ­lichkeit, den Betrag aus eigener Tasche vorzustrecken - bis zur versicherungs­rechtlichen Klärung.

Sein sportliches Dasein fristet der FV Schwarz-Weiß Waldsee derweil in der A-Klasse (entspricht der heutigen Bezirksliga), sieht man einmal von einem einjährigen Zwi­schenspiel in der 2. Amateurliga, vermutlich in der Saison 1952/53,ab. Gleichgültig, ob die Trainer Schnell, Wirth, Klein oder anders heißen. Erst 1968 verlassen die Kicker die A-Klasse wieder, allerdings als Absteiger in Richtung B-Klasse.

Die A-Klassenmeister 1952 und ungeschlagener Aufsteiger in die 2. Amateurliga Württemberg, v. l. n. r.: Eicher, Gossner, Brielmaier, G. Ackermann, Gröber, Schroers, Liebel, Müller, Kohn, Porth, Real, Opel und Trainer Stehle.
Die A-Klassenmeister 1952 und ungeschlagener Aufsteiger in die 2. Amateurliga Württemberg, v. l. n. r.: Eicher, Gossner, Brielmaier, G. Ackermann, Gröber, Schroers, Liebel, Müller, Kohn, Porth, Real, Opel und Trainer Stehle.


"FVW hat die schlechtesten Umkleideräume und sanitären Anlagen"

Als feste Größen erweisen sich dagegen einige Funktionäre wie Max Gockel, Hans Butz, Karl Walser oder Hans Beck. Weil sie jahrelang als Vorstand respektive Vorsitzende für ihren Ver­ein schuften. Hervorzuheben sind vor allem die ehrenamtlichen und langjährigen Verdienste von Helmut Schneider (als Vorsitzender und Kassier), Hermann Wolfangel (Spielausschussvorsitzender, Jugend­leiter, Trainer, später auch Präsident). Mit Schwierigkeiten und Problemen hatten sie aber allesamt und immer zu kämpfen. 

So ärgert sich Vorsitzender Butz in ei­ner Mitgliederversammlung 1967: „Der Fußballverein Bad Waldsee hat die schlechtesten Umkleideräume und sa­nitären Anlagen im Bezirk Bodensee, und der Sportplatz ist auch nicht gera­de der beste." Daher müsse die Stadt gefragt werden, ob der Sportplatz hin­ter dem See erneuert werde, oder ob der FV seine Spiele auch auf dem Döchtbühlsportplatz (dem heutigen Stadion) austragen dürfe. Beide Wün­sche werden erfüllt, aber erst anfangs der siebziger Jahre.

Dabei hat der Klub in der Saison 1966/67 bereits vier Jugendmannschaften mit 60 bis 70 Nachwuchsspielern. Rudi Martin, der damalige Jugendlei­ter, sieht seine Aufgabe aber nicht nur darin, „sportliche Erfolge zu erringen, sondern vor allem in der Charakterer­ziehung". Kein Wunder, dass der FVW immer wieder Spielerpersönlichkeiten für die Aktiven hervorbringt. Hansi Opel und Ernst Ackermann sind solche, allerdings schon lange vor Rudi Martins Jugendleiter-Wirken. So heißt es in einem Pressebericht 1950: „Der Benjamin Hansi Opel wurde anlässlich seiner Abschiedsvorstellung geehrt. Ganz Waldsee wünscht ihm Glück bei seinen ersten Gehversuchen in der Fremde." Und Ernst Ackermanns Ver­dienste als FV-Torjäger besonders her­auszustellen, hieße Eulen nach Athen tragen. Aber auch Spieler wie Heinz Huchler, Günter Rist, Manfred Scholz und Thomas Kytka sind stellvertretend für spätere Fußball-Generationen zu erwähnen.


Die seltsamen Methoden des Karl Ackermann

Vermutlich 1970 oder 1971 rufen Helga Columberg und Karl-Heinz Griesinger ein Damenteam ins Leben, das aber nur zwei Jahre dauert. Karl Kling, der 2. Vorsitzende, beginnt 72/73 mit der Bandenwerbung.

Für die sportliche Wende sorgen im Jahr 1973 der damalige Vorsitzende Karl Ackermann und Spielausschussvorsit­zende Alfred Merkle. Um der tristen B-Klassen-Kickerei endlich den Gar­aus zu machen, greifen sie tief in die Schatulle und „kaufen" etliche Spieler aus der ersten Amateurliga wie Wolfgang Pfefferle, Toni Gerster und Herbert Röhnelt. Ackermann besorgt das nötige Kleingeld, indem er bei der Kreisspar­kasse im Juni 1973 einen 20 000-Mark-Kredit (angeblich für Trikots, Bälle,eventuell den Bau eines Clubheimes) einheimst. Nachdem die Rückzah­lung, die innerhalb von zwei, drei Wo­chen versprochen worden war, aus­bleibt, sperrt die Bank das Konto. Stand des Kontos: 33 000 Mark minus, wobei der Löwenanteil (28 000 Mark) aus eingelösten Schecks von „gekauf­ten Spielern" herrührt. Wohlgemerkt, der FV spielte damals in der B-Klasse, der zweituntersten Liga!

Doch damit des Possenspiels nicht genug: Im November 1973 verhandelt Ackermann mit der Rosenbrauerei Kaufbeuren über eine Bürgschafts­übernahme für den FVW zum (angebli­chen) Bau eines Klubheimes in Höhe von 25 000 Mark. Die erhält er auch, nachdem er der Rosenbrauerei zusi­chert, dass der Bierverkauf auf dem Sportplatz Bad Waldsee zukünftig aus deren Beständen erfolge. Ackermann geht mit der Bürgschaft zur Volksbank Bad Waldsee. Dort kriegt er 12 500 Mark - wovon er 10 000 Mark zur Rückzahlung an die Kreissparkasse verwendet.

Und „Charlies" unorthodoxe Metho­den fruchten, wenngleich sie der nach­folgenden Vorstandschaft einiges Kopfzerbrechen und einen Haufen Schulden bereiten. Der Meister der B-Klasse am Ende der Saison 1973/74 heißt FV Bad Waldsee, obschon die Mannschaft regelrecht gejagt wird und landauf, landab als „Millionen-Truppe" verspottet.

Das Team: hintere Reihe (v. l. n. r.): Vorsitzender Karl Ackermann, Trainer Axel Tempels, Dieter Köppe, Toni Gerster, Winfried Hummler, Gerhard Samtner, Herbert Röhnelt, Wolfgang Pfefferle, Jimmy Schuhmacher, Siegfried Huber, Spielleiter Alfred Merkle. - Vordere Reihe: Kapitän Heinz Huchler, Karl-Heinz Lamperle, Günter Rist, Rüdiger Hillebrecht, Udo Rosenberger. Es fehlen. Georg Busko und Otto Massier.
Das Team: hintere Reihe (v. l. n. r.): Vorsitzender Karl Ackermann, Trainer Axel Tempels, Dieter Köppe, Toni Gerster, Winfried Hummler, Gerhard Samtner, Herbert Röhnelt, Wolfgang Pfefferle, Jimmy Schuhmacher, Siegfried Huber, Spielleiter Alfred Merkle. - Vordere Reihe: Kapitän Heinz Huchler, Karl-Heinz Lamperle, Günter Rist, Rüdiger Hillebrecht, Udo Rosenberger. Es fehlen. Georg Busko und Otto Massier.

Doch die Ära Ackermann/Merkle samt Trainer Axel Tempels hat auch ihre heiteren Seiten; vor allem in Ackermanns Kneipe „Storchen" geht's gemütlich zu und hoch her. Jugend, Aktive und Vorstandschaft haben ein ausgesprochen enges, wenn auch nicht immer gleichgesinntes Ver­hältnis, und wenn "Charlie" seine Spezialitätenkiste auspackt, kocht die Vereinsseele - so oder so: Wenn Karl seinen Stars Gerster und Röhnelt nachts um halb eins noch Kaffee und G'sälzbrot serviert; wenn seine Frau mit hoher Stimme aus der Küche ruft: "Karl, Karl, der Milay steht im Schlafzimmer" (weil ein Jugendspieler mit diebischen Absichten unterwegs war); wenn Karl an der Ju­gend-Weihnachtsfeier vor Wut in den eigens von ihm behängten Christbaum schlägt (um wenig später die zerbrochenen Kugeln wieder zu er­setzen). Für Stimmung ist immer gesorgt. Besonders dann, wenn "der Karle" mit tiefer Bass-Stimme und voller Brust seine Lieblingslieder schmettert: „Das alte Spinnrad" oder „Mein schönes Inns­bruck". Oder wenn Roland '"Capo" Schmidinger, Sohn des "Grünen Baum"-Wirts, lautstark mit der Trompete aufspielt, um alsbald '"Charlies" Standardrüge anhören zu müssen: "Roland! Hör auf! Des kannsch dahoim im 'Baum' mache, aber net bei mir!!!" Legendär auch Ackermanns Auftritt bei der Jahreshauptversammlung im Schützenhaus, im typischen outfit hält "Charlie" seine Rede: mit Trainingsanzug, Hausschuhen und Zigarre, während sich die meisten im Hemd und teilweise mit Krawatte präsentieren... Und wenn zu später Stund noch einige 'Musiker' Ihre Volksweisen zum Besten geben, sind die wenigen erschienen Jugendspieler vollends bedient...

Indes: Meistermacher Karl Acker­mann muss 1974 zurücktreten, ob­wohl sein Rücktritt in der Generalver­sammlung mit „gesundheitlichen Pro­blemen" begründet wird.

Doch auch die neue Führungs-Riege mit Heinz Hoffmann, Gerald Klöckler, Peter Kistler, Rudi Reichle und Trainer Anton Bitzer kann auf Handgelder und Prämien nicht ganz verzichten, um die damaligen Leistungsträger zur „Vertragsverlängerung" beim FVW zu bewegen. Es sollte sich lohnen: Prompt schafft das Team 1974/75 den Aufstieg von der A-KIasse in die zweite Amateurliga.

Das Team: hintere Reihe (v. l. n. r.): Trainer Anton Bitzer, Spielleiter Rudi Reichle, Achim Holzmann, Karl-Heinz Lamperle, Kurt Merk, Dieter Köppe, Toni Gerster, Herbert Röhnelt, Eugen Boos, Eugen Zwerger, Masseur Rudi Rihm, Vorsitzender Heini Hoffmann. - Vordere Reihe: Gerhard Maucher, Butzi Birk, Udo Rosenberger, Günter Rist, Heinz Huchler, Wolfgang Pfefferle, Rüdiger Hillebrecht, Winfried Hummler.
Das Team: hintere Reihe (v. l. n. r.): Trainer Anton Bitzer, Spielleiter Rudi Reichle, Achim Holzmann, Karl-Heinz Lamperle, Kurt Merk, Dieter Köppe, Toni Gerster, Herbert Röhnelt, Eugen Boos, Eugen Zwerger, Masseur Rudi Rihm, Vorsitzender Heini Hoffmann. - Vordere Reihe: Gerhard Maucher, Butzi Birk, Udo Rosenberger, Günter Rist, Heinz Huchler, Wolfgang Pfefferle, Rüdiger Hillebrecht, Winfried Hummler.

Quellen: FVW-Jubiläumsschrift 1994, FVW-Archiv + Winfried Hummler

1975 - 1988

Der große Coup: Aufstieg in die Verbandsliga

100 Fanatiker jagen den Schiedsrichter
Obwohl der Verein anno 1975 nach dem Aufstieg in die zweite Amateurliga (damals die vierthöchste Spielklasse) finanziell nicht gerade auf Rosen ge­bettet ist, zeigt er sich spenda­bel und zahlt jedem der erfolgreichen Balltreter eine vierstellige Meister­schaftsprämie. Schließlich kennt die Fußball-Begeisterung in Bad Waldsee (fast) keine Grenzen. Zu den ersten Heimspielen der Saison 1975/76 in der zweiten Amateurli­ga strömen die Fans in hellen Scharen. Jeweils 800 Zuschauer säumen im Döchtbühlstadion die ersten beiden Punktkämpfe. 


Unser Bild mit einigen treuen Fans stammt freilich aus den Neunzigern
Unser Bild mit einigen treuen Fans stammt freilich aus den Neunzigern

In der zweiten Partie ge­gen den SV Baustetten schrammt der FVW allerdings nur knapp am Spielab­bruch vorbei. Drei Rote Karten hatte Schiedsrichter Hummel gegen die ein­heimischen Toni Gerster, Helmut Ren­ner und Dieter Köppe gezückt. Das bringt die Volksseele zum Kochen: Über 100 Fanatiker (mehr als bei man­chem Heimspiel in der laufenden Saison) warten nach Spielende vor der Um­kleidekabine des „Schwarzkittels", um ihm die vermeintlich gerechte Abreibung zu erteilen. Was die Polizei jedoch verhindert. Hinterher kommt's noch dicker: Wegen eines Fußtritts in den verlängerten Rücken des Schiris - nach dem Schlusspfiff der ominösen Begegnung - wird ein vierter FV-Kicker nachträglich ge­sperrt. Im nächsten Punktspiel beim TSV Allmendingen wird zu allem Überfluss Torjäger Herbert Röhnelt des Feldes verwiesen, und Nachwuchs­hoffnung Kurt Merk bricht sich in der gleichen Partie den Arm.



Fasnet weckt mehr Begeisterung

Logisch, dass der FVW hernach - trotz manches Erfolges mit verbliebener Rumpfelf - die Rolle des Geheimfavoriten nicht er­füllen kann. Im Gegenteil. Die Waldseer Fußball-Helden schweben bald in Abstiegsgefahr, so dass Trainer Anton Bitzer das Handtuch wirft beziehungs­weise werfen muss, und Horst Kley als „Retter" verpflichtet wird. Doch die ersehnte Wende lässt lange auf sich warten. Erst durch einen fulminanten Schlussspurt, der FVW siegt in den letzten Punktspielen fünfmal hinter­einander, klettern die Waldseer vom vorletzten auf den siebten Tabellen­rang. Noch spektakulärer trumpfen Kley und Co. in der Vorrunde 1976/77 auf; mit 27:5-Zählern führen sie zur Winterpause das Feld souverän an. Highlight ist das Vorrunden- und Spitzenspiel in Laupheim, als knapp 1000 Zuschauer für einen Besucherrekord sorgen. Darunter sind über 500 aus Waldsee, von Fan Hansi Zechner ("J.J". sprich Tschei-Tschei) mit mindestens 50 schwarz-weißen Fahnen ausgestattet. Sie und der mit Trompete immer wieder zum Marsch blasende Zechner treiben den FVW zu einem 3:0-Sieg und zur Eroberung der Tabellenspitze. Bis die nachlassende Trainingsmoral nach der Winterpause - die Waldseer Fasnet weckte halt mehr Begeisterung - den Einbruch und ein miserables Abschneiden in der Rückrunde nach sich zieht. Das schrittweise Abschiednehmen vom geliebten Sport­platz hinter dem See und der neue, un­gewohnte Hartplatz tun ein Übriges, mindern die Spielfreude beträcht­lich. Und den Zuschauerzuspruch.


Der große Coup: Landesliga-Meisterschaft

Worauf die Spieler Winfried Hummler, Roland Schmidinger, Günter Baumgärtner und Gerhard Romer (auf dem Foto von v. l. n. r.) ihren Trainer Peter Ailinger auf Händen tragen.

Auch die Saison 77/78 bringt nicht das erhoffte Meisterstück. Mit Trainer Peter Ailinger geht's zwar aufwärts, aber das meisterschafts-entscheidende Match beim SV Oberzell in die Binsen. Freude lösen hingegen wenig später die Fertigstellung des Ver­einsheimes und das neue Rasenspielfeld an der Lortzingstraße aus. Beide „Anlagen" wurden weitgehend in Ei­genarbeit errichtet. Allerdings war und ist der Bau der Stadiongaststätte ein bis heute nicht recht verdauter Kraftakt, wenngleich wohl niemand das Klubhaus missen möchte. Finan­zielle Anstrengungen werden in den siebziger Jahren weiterhin getätigt, um die Mannschaft mit neuen Spielern zu verstärken. Die Integration gelingt - trotz eines schwa­chen Saisonstarts schafft die Crew im Jahr 78/79 mit sieben Punkten Vorsprung das Meisterstück in der Landesliga. Worauf die Spieler Winfried Hummler, Roland Schmidinger, Günter Baumgärtner und Gerhard Romer (auf dem Foto von v. l. n. r.) ihren Trainer Peter Ailinger auf Händen tragen.


Rudi Reichle

Ein zweiter Garant des größten Erfolges in der Vereinsgeschichte ist zweifellos "Manager" Rudi Reichle (Bild links), der Vater des heutigen FVW-Präsidenten. Im Gespann mit Ailinger motiviert der Macher und Motor seine Mannen zum Höhenflug in die Verbandsliga. Doch bei al­lem Erfolgsdenken, bei aller Ziel­strebigkeit, bleibt sich Reichle stets treu: humorvoll, schlitzohrig, schlagfertig, zuversichtlich, ein rundum geselliger Typ. Im neuen Vereinsheim (an dessen Bau war er maßgeblich beteiligt) ver­bringt er ungezählte Stunden in harmonischer Runde mit "seinen" Spie­lern und deren Frauen. Die brechen dann zu später Stunde oft noch in Richtung „Sternen" nach Reute auf, um anschließend bis in die Puppen im Hause Reichle weiter zu feiern. Mit Bier, Suppe oder Kaffee bewirten er und seine gleichermaßen fußballbegeisterte Frau Hilde. Oder sie bieten manch (sieges-)trunkenem, aber müden Crack ein Nachtlager. Um Missverständnissen vorzubeu­gen: Zwischen solch feucht-fröhli­chen Festen wurde natürlich und eifrig trainiert. Darauf legte auch Rudi Reichle größten Wert, ebenso auf das Seelenwohl seiner sensiblen Kicker. Obwohl (oder gerade weil) er kein Blatt vor den Mund nimmt, obwohl er bisweilen spottet: „Ei­gentlich müsste man jedem Fußbal­ler einen Psychiater auf den Buckel binden", genießt er das Vertrauen al­ler, erfreut er sich großer Beliebt­heit.


In der FVW-Jubiläumsschrift 1994 ist folgende Hommage auf die Meisterelf zu lesen: " Die Mannschaft war eine phantastische Mi­schung: Individualisten, erfahrene Spieler, große Namen und eine prachtvolle Festgemeinde: Helmut 'Adolf' Renner, der Gitarre spielender Stratege mit dem Radius eines Bierdeckels; Klaus Krimm, die bayrische Lippe; Budde Sauter, der Kumpel mit dem Akkordeon, noch nichts ahnend von seiner Golf-Karriere; Winne 'Hu' Hummler, der Revolutionär; Dieter Köppe, der 'harte Hund' (Spezialität: Zehen­bandage mit Streichhölzern); Manne 'Scholli' Scholz, der nicht nur den früheren und späteren Trainer Axel Tempels genial und perfekt imitierte; Thomas 'Stupser' Marx - Torstin­ker der unorthodoxen Art; Roland 'Gento' Müller, der keinen Strafraum je ungelegt verließ; Günter 'Bambi' Baumgärtner, der so schön aufstieg, weil er bei Regenwetter in der Halbzeit­pause die Haare föhnte; Gerhard Romer, die 'Mostreserve'; Karl-Heinz Lamperle, das 'lange Gemüt'; Werner 'Magoo' Köppe, stu­dierende Lebenslust; Manne Schaden und Eugen Boos, die den FVW mehr als einmal um den Fairnesspreis brachten (beide sahen schon zweimal in einer Saison rot); Kurt Merk, mit Technik statt Ge­schwindigkeit und die erfolgreichen Aushilfen: Franz Klopfer, das Talent; Roland Schmidinger, immer schon 'Capo'; Uwe Weinert, auch gerne ein Rot-Opfer; Erich Wodniok, 'a Keeper'; Günther Rist, die Torwartlegende mit Handicap 14 und Peter 'Lauskopf Leißle."

Jedoch: Der Sprung ins württembergische Oberhaus (= Verbandsliga) ist zu groß: Die rasch aussichtslose werdende Lage tragen die Kicker freilich mit Galgenhumor. So schicken sie die plötzlich im Vereinsheim kursierende "Rote Laterne" nach zwischenzeitlichlicher Eroberung des vorletzten Platzes prompt an das neue Schlusslicht der Verbandsliga weiter. Darüber berichtet seinerzeit sogar "BILD". Der Abstieg aber lässt sich nicht verhindern für Trainer Karl Schley und Co. Danach coacht zwei Jahre lange wieder Peter Ailinger die Waldseer, mit dem sie 81/82 erneut auf Verbandsliga-Kurs steuern, ehe sie im vorentscheidenden Spiel gegen den SV Mochenwangen mit 2:3 unglücklich verlieren und damit ihre Aufstiegsträume begraben müssen.


Zweite steigt auf

1979 wird die zweite Mannschaft gegründet, die nach der Kreisliga-B-Meisterschaft 1982 (Foto) fünf Jahre lange in der Kreisliga A eine beachtliche Rolle spielt. Die Aufsteiger, hintere Reihe, v. l. n. r.: Trainer Heinz Huchler, Manager Alfred Merkle, Joe Dobler, Karl-Heinz Lamperle, Volker Fähnrich, Hans-Martin Maucher, Alfred Eßlinger, Wolfgang Hildebrand, Manfred Scheible (2. Vorsitzender), Präsident Hermann Wolfangel. - Mittlere Reihe: Franz Klopfer, Hans-Jürgen "Wiese" Wirth, Kurt Merk, Peter Leißle, Manfred Schweitzer, Karl "Benko" Schad, Betreuer und Medizinmann Eugen "Schuschu" Schumacher, der später tödlich verunglückte. - Vordere Reihe: Roland "Capo" Schmidinger, Rolf Nagel, Siegfried Manz, Gerhard Maucher.
1979 wird die zweite Mannschaft gegründet, die nach der Kreisliga-B-Meisterschaft 1982 (Foto) fünf Jahre lange in der Kreisliga A eine beachtliche Rolle spielt. Die Aufsteiger, hintere Reihe, v. l. n. r.: Trainer Heinz Huchler, Manager Alfred Merkle, Joe Dobler, Karl-Heinz Lamperle, Volker Fähnrich, Hans-Martin Maucher, Alfred Eßlinger, Wolfgang Hildebrand, Manfred Scheible (2. Vorsitzender), Präsident Hermann Wolfangel. - Mittlere Reihe: Franz Klopfer, Hans-Jürgen "Wiese" Wirth, Kurt Merk, Peter Leißle, Manfred Schweitzer, Karl "Benko" Schad, Betreuer und Medizinmann Eugen "Schuschu" Schumacher, der später tödlich verunglückte. - Vordere Reihe: Roland "Capo" Schmidinger, Rolf Nagel, Siegfried Manz, Gerhard Maucher.


Verein verschuldet sich hoch

Auch danach versuchen die Vereinsbos­se, an der Spitze Präsident Hermann Wolfangel und Spielausschuss-Vorsit­zender Philipp Rogg - die Führung hatte 1980 gewechselt -, das Meister- und Auf­stiegsstück zu wiederholen. Vergeb­lich. Trotz enormer finanzieller und ideeller Opfer dieses Duos. Ob die Trai­ner Rolf Steinmaßl oder Axel Tempels heißen, es reicht nicht. Harald Lutz (Trainer 1983/84) wird ge­gen den Willen der Mehrheit in der Mannschaft nach Dissonanzen mit Phi­lipp Rogg gar vorzeitig entlassen. Mit der Zustimmung einiger weniger, gut bezahlter ehemaliger Oberliga-Cracks, die vom Trainingseifer einiger Mann­schaftskameraden, und von Harald Lutz nichts wissen wollen. Und auch die knallharten Methoden des „fußballverrückten" Türken Jaschin Oeczan fruchten (Sommer 1987) genau so wenig wie die des drauf verantwortlichen Trainers Andreas Mock (Frühjahr 1988). Am Ende der Saison 87/88 erleidet der FVW einen großen personellen Aderlass: Torwart Manfred Scholz verlässt den Verein via FV Ravensburg, ebenso wie der 34-Mal erfolgreiche Landesliga-Torschützenkönig Heinz Huonker (zu Zweit-Bundesligist SSV Ulm 1846) und acht weitere Stammkräfte.
So denkt der im Sommer 1988 verpflichtete Trainer Wolfgang Fibich schon wenige Wochen nach seinem Einstieg an Rücktritt, den er dann im Winter auch vollzieht. 

Hermann Wolfangel

Daran ändert auch die rasche Heimkehr von Huonker nichts, der die Doppelbelastung (Beruf in Wolfegg und tägliches Training in Ulm) nicht unter einen Hut bringt und ab November wieder für den FVW stürmt. In der Winterpause geht Thomas Kytka; der Oberschwaben-Auswahlspieler schließt sich ebenfalls dem ambitionierten Landesliga-Konkurrenten und späteren Meister FV Ravensburg an. Und es kommt noch schlimmer am Jahresende: Hermann Wolfangel (Foto) kündigt nach dem Konkurs seiner Landmaschinen-Firma in Roßberg seinen Rückzug als Präsident des mittlerweile hoch verschuldeten FVW an: "Meine Existenz geht vor". 



Erich Brettschneider führt die Jugend mit Umsicht und Durchblick

 

Worauf die Spieler Winfried Hummler, Roland Schmidinger, Günter Baumgärtner und Gerhard Romer (auf dem Foto von v. l. n. r.) ihren Trainer Peter Ailinger auf Händen tragen.

Die siebziger und achtziger Jahre bringen der Jugendabteilung einen kontinuierlichen Auf­schwung. Zuerst unter der Regie von Jugendleiter Alfred Merkle, danach mit Erich Brettschneider. Lange Jahre leitet Erich Brettschneider (Foto) die Geschicke der FV-Jugend. Mit Um­sicht, Durchblick und außergewöhnli­chem Fleiß. Seine zahlreichen Aktivi­täten (wie Papiersammlungen) entla­sten den Verein nicht nur in finan­zieller Hinsicht. So spielen A- und B-Jugend in der Bezirksstaf­fel, seinerzeit die zweithöchste Jugendklasse in Deutschland.


Unser Foto stammt aus dem Jahr 1984 und zeigt die B-Jugend als frisch gebackenen Meister der Leistungsstaffel. Hintere Reihe, v. l. n. r.: Jürgen Rettich, Michael Heilmann, Torschützenkönig Peter Haidorf (27 Treffer), Trainer Winfried Hummler, Frank Rast, Kapitän Wolfgang Bucher, Dieter Scholz. - Vordere Reihe: Alexander Gruber, Uwe Kloos, Peter Altvater, Andreas Reichle, Franz Müller, Hardi Kreutzberg.
Unser Foto stammt aus dem Jahr 1984 und zeigt die B-Jugend als frisch gebackenen Meister der Leistungsstaffel. Hintere Reihe, v. l. n. r.: Jürgen Rettich, Michael Heilmann, Torschützenkönig Peter Haidorf (27 Treffer), Trainer Winfried Hummler, Frank Rast, Kapitän Wolfgang Bucher, Dieter Scholz. - Vordere Reihe: Alexander Gruber, Uwe Kloos, Peter Altvater, Andreas Reichle, Franz Müller, Hardi Kreutzberg.


Dritte Mannschaft etabliert sich

Dritte Mannschaft etabliert sich

1984 wird die dritte Mannschaft (Foto), die sich allen Unkenru­fen zum Trotz bis 1990 als feste Größe im FVW etabliert, ehe sie in der zweiten Mannschaft „aufgeht“. Sie bereichert das Vereinsleben, wenngleich sportliche Erfolge Selten­heitswert besitzen. In der Festschrift zum 75-Jährigen heißt es: "Winfried Hummler meldete eine dritte Mannschaft zum Spielbetrieb an (1984/85), die aus Hobbykickern bestand und jeden Punktgewinn, sofern es mal einen gab, wie Silve­ster feierte, was wiederum die FV-Führung als ein Schande für den Verein betrachtete. Überhaupt hatte die Vereinsführung nicht viel am Hut mit der Dritten - aus Angst vor unnötigem Aufwand. Ausgerechnet diese Dritte aber, mit Freude am Werk, holte im Spanien-Urlaub (1985, verstärkt durch Spieler des FVW I + II) ihren einzigen Cup, der seither unübersehbar das Vereinsheim schmückt. Und auch diese Dritte stellte 1985 erstmals die Stadt­meisterschaft auf die Beine (zu Gunsten der eigenen Kasse). Die Dritte genießt noch heute einen exzellenten Ruf. Als Hummler dann noch in der Jahreshauptversammlung 1986 'revolutionäre' Anträge stellte (Jugendstimmrecht, öffentliche Ausschusssitzungen u.a.) trat er nach der 'ER oder WIR'-Androhung der Vereinsbosse aus dem FVW aus, um wieder Ruhe einkehren zu lassen." 



Festfreuden bei Ausflügen und Fasnetsbällen

Die siebziger und achtziger Jahre bedeuten nicht nur Trainings- und Spielbetrieb, son­dern auch gesellschaftliches und gesel­liges Treiben. Vom traditionellen Jah­resausflug (in den Jahren 1975 bis 1979 sollen es die Kicker besonders bunt und manchen Hotelier schier zur Ver­zweiflung getrieben haben), über die Teilnahme am Altstadtfest, Fasnetsbällen bis zu den Gerümpel-Stadtmeisterschaften reicht das Spektrum. Und es zeigte sich immer wieder: Die Waldseer Fußballer waren keine Kinder von Trau­rigkeit, sie feierten die Feste, wie sie fielen.


1200 Zuschauer trotzen eisiger Kälte

1200 Zuschauer trotzen eisiger Kälte

De achtziger Jahre bringen auch Fußball-Prominenz zu Freundschaftsspie­len ins Städtchen. Standard Lüt­tich kommt 1980 mit Trainer-Legende und Grantler Ernst Happel, der damals der Betreuung seiner Mannschaft ein gepflegtes Kartenspiel im FV-Vereinsheim vorzieht. Die Bundesligisten Kickers Of­fenbach und Hertha BSC kreuzen 1981 respective 1982 im Stadion an der Lortzingstraße auf, ebenso wie die A-Jugend des englischen Erstligisten Aston Vila im Jahr 1982. Unser Bild stammt aus dem Spiel gegen Offenbach: Dieter Köppe (links) und Keeper Helmut Brehm setzen sich vehement zur Wehr gegen einen OFC-Profi. Unvergesslich, wie 1984 eine wie entfesselt aufspielende Waldseer Elf die tschechische Spitzen-mannschaft von Slovan Bratislava mit 3:1 Toren. niederrang. Bei solchen fußballerischen Leckerbis­sen verzeichnet der Verein allerdings meist eine enttäuschende Zuschauer- resonanz. Der Besucher-Rekord datiert auf jeden Fall aus dem Jahr 1975. 1200 Neugierige wollen trotz gewaltiger Schneemassen und eisiger Kälte das Derby gegen die SG Aulendorf sehen. Immerhin 800 erlebten die gleiche Paa­rung im Jahr 1978 noch mit, und einen Spielabbruch fünf Minuten vor Abpfiff durch Bundesliga-Schiedsrichter Bodmer. Wegen Nebel, beim Stande von 4:1 für Gastgeber Waldsee. 14 Tage spä­ter wird die Begegnung wiederholt: vor annähernd gleicher Zuschauerzahl mit einem 3:1-Erfolg des FVW. Golde­ne Zeiten für den Kassierer ...

1989 - 2006

(Un-)Freiwilliger Rückzug aus der Landesliga

Der (un-)freiwillige Rückzug aus der Landesliga prägte die neunziger Jahre. Davon und von anderen Geschichten handelt der vierte Teil der FVW-Historie. Dieser Rückblick in die jüngere Vergangenheit des Vereins erfolgt Schritt für Schritt in den nächsten Wochen bzw. Monaten und wird auf jeden Fall vor den Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag im Juli fertiggestellt sein.


1989: Der Präsident in spe kommt nicht

Das Jubiläumsjahr beginnt vielversprechend. Im Januar gewinnen die Hallenspezialisten des FVW das eigene Turnier, vor allem aber den erstmals ausgetragenen Oberschwaben-Cup. Vor 700 Zuschauern in Baienfurt begeistern sie mit technischen Kabinettstückchen und gepflegten Ballstafetten, was auch im Endspiel gegen Tettnang belohnt wird. - Derweil stehen die Mitglieder Ende Februar ohne Präsident da: Vergeblich warten sie bei ihrer Hauptversammlung auf Karl-Hans Weber. 

1989: Der Präsident in spe kommt nicht

Der aber kommt einfach nicht, trotz seines Versprechens, die Nachfolge von Wolfangel anzutreten. - Ein paar Tage vorher hatte Trainer Wolfgang Fibich nach Differenzen mit zwei Spielern die Segel gestrichen, mit den Worten: "Das FV-Schiff geht unter und die Passagiere merken es nicht." Uwe Weinert, vormaliger Spielführer und darauf folgender Interimscoach hält dagegen, findet die Argumentation von Fibich "fadenscheinig" und bescheinigt dem Abtrünnigen: "Er ist fachlich unumstritten, aber nicht kooperationsfähig." Mit Axel Tempels springt ein alter Bekannter als Übungsleiter ein, bis er in der Sommerpause von Manfred Schaden (stehend) 

1989: Der Präsident in spe kommt nicht

abgelöst wird. Fündig wird der Verein auch bei der Suche nach einer neuen Vorstandschaft: Präsident Kurt Merk (in rot) und seine Mannschaft verbreiten Aufbruchstimmung. Zielstrebig packen sie finanzielle und andere Probleme an, so dass der FVW im Jahr seines 70-jährigen Bestehens wieder in ruhigerem Fahrwasser steuert. Neben den erforderlichen Führungsqualitäten beweisen Merk und Co. aber auch hohes handwerkliches Geschick und gewaltigen Arbeitsgeist, wie unser Bild erahnen lässt. - Beim Jubiläumsturnier im Sommer trägt die SG Aulendorf den Sieg davon.


1990: Disqualifikation bei der Stadtmeisterschaft

O-Cup Sieger

Auch beim zweiten Hallenfußballturnier um den Oberschwaben-Cup setzt sich der FV Bad Waldsee durch. Vor 800 Zuschauern in Biberach besiegen Ayhan Güzel (links im Bild), Erwin Real (rechts) und Co. den SV Aichstetten im Finale. - Auch im Freien läuft es wie geschmiert. Die als Abstiegskandidat gehandelte, vornehmlich aus Eigen-gewächsen bestehende Elf verblüfft die Experten durch ihren vierten Platz in der Schlusstabelle der Landesliga. Die Zuschauerzahlen lassen trotzdem zu wünschen übrig: 175 zahlten im Schnitt, in der Rückrunde aber nur noch 142. - Einen dicken Fauxpas leistet sich der FVW bei der Stadtmeisterschaft: Er wird disqualifiziert, weil sich gegen den SC Michelwinnaden ein paar seiner Spieler nicht ordnungsgemäß ausweisen können. Der SCM profitiert davon und wird dadurch Stadtmeister. 


1991: Rudi Reichle stirbt

Peter Altvater

Wieder glänzen die Waldseer in der Halle: Sie werden Meister des Kreises Ravensburg, dank eines finalen 4:0-Sieges über den SV Weingarten. Der gewinnt kurz drauf dafür den Oberschwaben-Cup, während der FVW "nur" auf dem vierten Platz landet. - Auf dem Rasen läuft es auch nicht schlecht. Das Team um Trainer Manfred Schaden belegt mit 36:32 Punkten den zehnten Platz in der 18 Vereine zählenden Staffel. Zu den Stützen des Teams zählt Peter Altvater (Foto). - Einen herben Verlust beklagt der FVW im Februar 1991: Der ehemalige Spielauschussvorsitzende Rudi Reichle stirbt im Alter von 52 Jahren, mit und dank ihm hatte der Verein seine Blütezeit erlebt: die Meisterschaft in der Landesliga 1978/79. 


1992: Toller Endspurt rettet alles

1992: Toller Endspurt rettet alles

Weil die Erste in Abstiegsnot schwebt, greifen die Bosse ganz tief in die Kasse, um in der Winterpause Thomas Kytka, Ayhan Güzel (beide vom FV Biberach) und Sven Hain (SV Oberzell) zu verpflichten: 25 000 Mark Ablösesumme zahlen sie für das Trio. Um das Unternehmen Klassenerhalt zu forcieren, wird zudem Trainer Manfred Schaden entlassen, dafür Harald Lutz geholt. Die Motivationsspritzen wirken: Mit einem fulminanten Endspurt (17:5 Punkte retten sich die Schwarzweißen.


Jens C

Zur Freude der Fans, die den Sieg im vorentscheidenden Spiel bei der SG Baienfurt feiern wie einen Titel. Lutz kündigt trotzdem und wechselt zu Verbandsligist FC Wangen, worauf FVW-Spielleiter Otto Massier wiederum einen neuen Trainer suchen muss. Er findet ihn Anfang Juli in Jens Carstensen (Foto), einem Kicker aus den eigenen Reihen. Was verblüfft: Carstensen hatte nämlich bereits im Mai seinen Abschied angekündigt und seinen Wechsel zu Bezirksliga-Absteiger SV Seibranz. Der ist ob des Sinneswandel von Carstensen stinksauer und kündigt juristische Schritte an. Die Entscheidung sei „aus dem Herz heraus gefallen“, rechtfertigt sich Carstensen. Wenig(er) Herz zeigen zunächst seine Schützlinge in der Vorrunde der Landesliga 92/93, erst am elften Spieltag glückt ihnen der erste Sieg. - Finanziell entspanne sich die Lage beim FVW zusehends, lässt Schatzmeister Hansjörg Leuter auf der Generalversammlung wissen: Die Schulden seien um 26 000 Mark auf 166 000 zurückgegangen. 1989, im Jahr seiner Amtsübernahme, hatte das Minus noch 332 000 Mark betragen, so dass das Sanierungskonzept (seinerzeit mit Hilfe der Stadt und örtlicher Banken aufgestellt) mit Fug und Recht als „erfolgreich“ gelobt wird. Massier und Leuter stellen auf der Hauptversammlung außerdem ein neues Jugendkonzept vor, demzufolge Jugendliche mehr mitbestimmen und mitarbeiten sollen.


1993: Gruoler fühlen sich verschaukelt

Bei der Kreismeisterschaft im Hallenfußball schwächeln die "Zebras" und fliegen in der Vorrunde raus. - Im Freien bekleckern sie sich auch nicht gerade mit Ruhm, schaffen aber als Tabellenzehnter wenigstens den Klassenerhalt. Das letzte Spiel der Saison verlieren sie beim FC Mengen, der dadurch den Abstieg vermeidet. Wodurch Gruol runter muss und dessen Spielleiter Artur Rothenhäusler Verrat wittert ob der Waldseer Niederlage: „Des hoat a G’schmäckle.“ Die Nase voll hat auch Jens Carstensen, der als Trainer beim FVW aussteigt und als Spieler bei Landesliga-Aufsteiger FC Wacker Biberach einsteigt. Waldsees neuer Übungsleiter heißt wieder mal Harald Lutz, der nach einjährigem Intermezzo vom FC Wangen zurückkehrt. Unter ihm geht es wieder aufwärts: Die Mannschaft wird Herbstmeister in der Landesliga, nachdem sie zwei Jahre lang relativ kleine Brötchen gebacken hatte. - Wechsel auch in der Führungsetage: Hajo Leuter löst Kurt Merk als Präsident ab, Andreas Mock als Spielleiter Otto Massier, Armin Nold hört als Trainer der Zweiten auf und übernimmt das Amt des Schatzmeisters. - Der Gemeinderat beschließt zum Wohlgefallen aller die Umwandlung des ungeliebten, vor allem aber gesundheitsschädigenden Hartplatzes in ein Rasenfeld; Kostenpunkt: 300 000 Mark. - Der Verein spricht sich, gemeinsam mit 17 anderen oberschwäbischen Fußballvereinen, mittels Anzeige, „gegen Hass und Gewalt“ aus. Anlass war der Mord an ihrem „Sportkameraden“ Thomas Scherrer (Trainer des SV Oberzell II). - Trotzdem geht’s ein paar Wochen später nicht eben friedlich zu im Derby der Zweiten beim SV Bergatreute. Gegenspieler und Zuschauer „glänzen“ mit ausländerfeindlichen Sprüchen und Parolen. Die Verantwortlichen des SVB bestreiten dies (zum großen Teil) und empfehlen dem FVW stattdessen vor der eigenen Türe zu kehren. SVB-Trainer Kurt Brauchle: „Die Waldseer sollten sich mal überlegen, wie sie selbst mit ihren ausländischen Mitspielern umgehen.“ Die Aussage eines FVW-Spielers, „seit die Türken bei uns spielen, wird bei uns kein Bier mehr getrunken“, spreche wohl für sich.


1994: Kuwaitis kommen zum Geburtstag

1994: Kuwaitis kommen zum Geburtstag

Großer Bahnhof beim 75-jährigen Geburtstag des Fußballvereins. Anfang August feiert er drei Tage lang in aufwändigem Stil: mit dem Original Alpenland-Quintett, der Spider Murphy Gang (Foto), City Limit und Wurzelsepp, einem Feldgottesdienst, Frühschoppenkonzert und der Nationalmannschaft aus Kuwait. Deren Auftritt lockt 700 Besucher an, die einen mühevollen 2:0-Sieg der "Exoten" erleben gegen einen bravourös kämpfenden FVW. Ihr russischer Trainer Waleri Lobanowski ist nach dem Match zu keinem Statement zu bewegen: Er könne weder deutsch noch englisch. Nach dem Schlusspfiff sind er und die Seinen dann schnell verschwunden, allerdings ohne die ausgemachte Antrittsgage von 7000 Mark. So macht sich Kassierer Armin Nold auf den Weg, um den im Kreuz zu Mattenhaus dinierenden Kickern die Kohle zu bringen. - Zuvor hatte der FVW die Saison 93/94 mit einem überraschenden zweiten Platz abgeschlossen, nur einen Zähler hinter Meister Friedrichshafen. Trainer Lutz verlängert nach längerem Pokern und zwischenzeitlicher Absage für ein weiteres Jahr. In der Vorrunde 94/95 läuft es dann nicht mehr ganz so gut, wenngleich die Mannschaft vor Beginn der Winterpause nur vier Punkte hinter dem Tabellenführer liegt. - Der Schuldenstand ist Ende April 115 000 Mark, laut Präsident Leuter. - Bei den Hallenkreismeisterschaften in Reute Anfang des Jahres holt sich der FVW den Titel, im Strafstoßschießen gegen den FV Ravensburg II versenkt der mit Kreuzbandriss auflaufende Thomas Kytka den entscheidenden Ball. Beim Oberschwaben-Cup in der Häfler Bodenseehalle fliegen die Waldseer dagegen frühzeitig raus.


1995: Landesliga ade!

Auf der Hauptversammlung im März findet der Plan des bis dahin zweiten Vorsitzenden Alfred Eßlinger, die Vorstandsarbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, breite Zustimmung. Angeführt wird der Verein fortan von vier Vorsitzenden, zwei Managern und acht Ressortleitern. Das Quartett an der Spitze bilden Vorsitzender Hansjörg Leuter und seine drei Stellvertreter Professor Friedrich Bergler, Kurt Gößwein und Günther Rist. Sie bilden zusammen mit den beiden Managern Wolfgang Hauler (Sport) und Armin Nold (Finanzen) den Vereinsrat. Dem Vereinsrat nachgeordnet ist der Vorstand, der sich zusammensetzt aus ebendiesem Vereinsrat und den Ressortleitern.
Den sportlichen GAU Mitte des Jahres können und wollen die neuen Bosse nicht verhindern: Sie ziehen die erste Mannschaft aus der Landesliga zurück, via Kreisliga A. Und die zweite Mannschaft, gerade eben Meister geworden in der Kreisliga B, wird aufgelöst. Leuter und Co. sehen - aus finanziellen Gründen - keine andere Lösung. Dabei war man hoffnungs- und erwartungsvoll gestartet in die Saison 94/95, die sich zunächst auch ganz gut anlässt. Eine scheinbar schlagkräftige Crew erobert im Spätherbst 1994 die Pole-Position der Landesliga-Staffel IV, um am Ende nur knapp dem Abstieg zu entrinnen. Zwischen März und Juli 1995 überschlagen sich dann die Ereignisse. Die neu gewählte Führungsriege des FVW will das Team verstärken, so den Aufstieg in Angriff nehmen. Doch der Verlauf der ausklingenden Runde lässt keine konkreten Planungen zu, bis endlich der Klassenerhalt gesichert ist. So gerät die Vorstandschaft bzw. der Vereinsrat durch Spielerabgänge und zweifelhafte Zusagen in Zugzwang. Teils horrende Handgeld-Forderungen heimischer Akteure und potenzieller Neuzugänge (angeblich bis zu 1300 Mark im Monat) veranlassen die Bosse letztlich zum "Abschied vom bezahlten Fußball". Zum Entsetzen etlicher Fans, auch wenn der 

Aufkleber

nebenstehende Aufkleber das Gegenteil vermuten lässt. Hajo Leuter rechtfertigt sich seinerzeit so: „Wir hätten wahrscheinlich zwei Mannschaften stellen können, „aber eine mit zu dünnem Kader, so dass wir von Anfang an in personellen Noten gesteckt hätten und wir in der Winterpause hätten nachlegen müssen". Da habe man lieber gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Wolfgang Hauler ergänzt: „Wir haben wirklich das Letzte versucht. Wir sind bis an den Rand der Erniedrigung gegangen, um eine landesliga-taugliche Mannschaft zusammenzubekommen.“ Kurt Gößwein: „Wir waren bereit bis zum Äußersten zu gehen - aber über den Tisch ziehen lassen wir uns nicht.“ Wären sie den Forderungen der Spieler nachgekommen, hätten sie (angeblich) 220 000 Mark aufbringen müssen. So geht Trainer Harald Lutz wohl oder übel die neue Runde mit dem verbliebenen Rest aus der Ersten und der aufgelösten Zweiten an. - Einen traumhaften Ausflug erlebt dagegen die D-Jugend im Frühjahr: 24 Kinder besuchen den FC Sporting Juventus Turin, den Jugendstützpunkt des berühmten Klubs und den Erstliga-Schlager Juve gegen den AC Mailand, der mit Oliver Bierhoff aufläuft.


1996: Neue "Viererbande" an der Spitze

Das Ziel „Aufstieg in die Bezirksliga“ wird sauber verpasst, die Saison mit Rang fünf abgeschlossen. Zu viele Punkte seien verschenkt worden, „aus der Arroganz eines Ex-Landesligisten heraus“, analysiert Pressereferent Suitbert Tapper. Trainer Harald Lutz kehrt dem Verein den Rücken, wird im Sommer von Peter Billmann abgelöst. Zuvor hatte Lutz in einem internen Brief die alte Führungsriege ("die gesamte Vorstandschaft glänzt durch ständige Abwesenheit") heftig kritisiert und weitere "Missstände" angeprangert.

Stabwechsel auf der Hauptversammlung, die neu gewählte Vereinsspitze besteht wieder aus einer „Viererbande“, v. l. n. r.: Alfred Eßlinger, Harald Beyrle, Karl-Heinz Lamperle, Armin Nold.
Stabwechsel auf der Hauptversammlung, die neu gewählte Vereinsspitze besteht wieder aus einer „Viererbande“, v. l. n. r.: Alfred Eßlinger, Harald Beyrle, Karl-Heinz Lamperle, Armin Nold.

Die Jugendabteilung weist 13 Mannschaften auf, darunter ist auch ein Mädchenteam. Und das jüngste Kind des FVW ist eine Damenmannschaft (Foto), die bei ihrem ersten Auftritt 150 Zuschauer anlockt. Zum Wohlgefallen von Trainer Bojan Kokolij und Harald Beyrle, dem Gründer der „Lady-Kickers“.


Hinten, von links: Karin Samtner, Kathy Eßlinger, Jutta Albrecht, Annette Müller, Ingeborg Wild, Uli Gröber, Anita Stärk, Trainer Bojan Kokolij. – Vorne: Rita Tetzlaff, Rosi Wild, Uschi Lettau, Sabine Grinschgl (Marth), Margit Beyrle, Moni Rist.
Hinten, von links: Karin Samtner, Kathy Eßlinger, Jutta Albrecht, Annette Müller, Ingeborg Wild, Uli Gröber, Anita Stärk, Trainer Bojan Kokolij. – Vorne: Rita Tetzlaff, Rosi Wild, Uschi Lettau, Sabine Grinschgl (Marth), Margit Beyrle, Moni Rist.


1997: Meisterjubel - dank des magischen Dreiecks

1997: Meisterjubel - dank des magischen Dreiecks

Riesiger Jubel in Bad Waldsee: Der FVW kehrt in die Bezirksliga Bodensee zurück. Ein Erfolg, das Vorsitzender Freddy Eßlinger dem „magischen Dreieck“ zuschreibt: der Mannschaft, Trainer Peter Billmann („Der hat alles voll im Griff, strahlt sehr viel Ruhe und Besonnenheit aus“) sowie Masseur Pit Gerstenlauer. Indes: Ein paar Monate, im Herbst des Jahres, streicht dann Billmann - für Außenstehende überraschend - die Segel, weil offenbar die Chemie zwischen ihm und der Mannschaft nicht mehr stimmte. Dabei hatte der Aufsteiger die Vorrunde mit 25 Punkten, 31:17 Toren und einem respektablen fünften Platz abgeschlossen. Thomas Kytka gibt fortan den Spieler-Trainer beim FVW. - Erfreulich: Die Schulden belaufen sich nur noch auf 60 000 Mark. „Peanuts“, meint die Lokalzeitung, „wenn man bedenkt, dass der Verein in jüngster Vergangenheit etliche Zehntausender in Sanierung und Renovierung von Gaststätte, Umkleidekabinen und Außenbereich des Klubheimes gesteckt hat“.


Ein Löwenanteil an den Fortschritten im Verein gebührt den Alten Herren des FVW, die sich mit ihrem Know-how bei handwerklichen Aufgaben oder bei der Ämterbesetzung in der Vorstandschaft hervortun. 


Die Oldies auf unserem Bild, hintere Reihe, v . l. n. r.: James Glander, Hans Sauer, Kurt Merk, Gerhard Romer, Karl-Heinz Lamperle, Egon Döbele, Männe Wolfangel. - Vorne: Eugen Zwerger, Werner Grinschgl, Alfred Gaudig, Siegfried Manz, Peter Leißle, Hanne Geiss.
Die Oldies auf unserem Bild, hintere Reihe, v . l. n. r.: James Glander, Hans Sauer, Kurt Merk, Gerhard Romer, Karl-Heinz Lamperle, Egon Döbele, Männe Wolfangel. - Vorne: Eugen Zwerger, Werner Grinschgl, Alfred Gaudig, Siegfried Manz, Peter Leißle, Hanne Geiss.

Das Internationale Jugendturnier leidet unter schlechtem Wetter, aber nicht unter solchen Leistungen. Im Gegenteil: Die Jungs bieten ansprechenden Jugendfußball. Kein Wunder sind doch etliche "Große" dabei: Grashoppers Zürich (Sieger im E-Jugendturnier, Carl Zeiß Jena (Sieger bei der D-Jugend), Hessen Kassel, Darmstadt 98, FC Gütersloh, VfR Mannheim, Waldhof Mannheim. Kickers Offenbach, FC Winterthr, aber auch Teams aus Italien (Cisterna und Lodiginai). 

Erstmals in der Vereinsgeschichte steigt auch ein Frauenturnier, das Aulendorf vor dem FVW gewinnt.


1998: FVW düpiert die Landesliga-Elite

Paukenschlag am Anfang des Jahres: Der FVW düpiert beim gut besetzten Hallenturnier in Biberach die komplett angetretene Landesliga-Elite und streicht nach dem 1:0-Endspielsieg gegen den SV Orsenhausen einen Satz Trikots im Wert von 2500 Mark samt Wanderpokal ein. In der Freiluftsaison schafft das Team um Spielertrainer Thomas Kytka einen beachtlichen vierten Platz in der Bezirksliga Bodensee. - Beim 4. Internationalen Waldseer Jugendturnier starten Nachwuchsteams aus Frankreich, Ungarn und Italien darunter sind D- und E-Jugendliche von Juventus Turin.


1999: „So scheah ka Fueßball sei“

Kytka

Im Herzschlagfinale um die Krone der Bezirksliga Bodensee triumphiert am Schluss der FVW. Die Männer um Spielertrainer Thomas Kytka (Foto-Mitte) fieseln am letzten Spieltag der Saison 1998/99 die SpVgg Lindau mit 4:0 ab, sind jedoch auf Schrittmacherdienste des SV Kehlen bei der bis dahin das Feld anführenden TSG Bad Wurzach angewiesen. Die Kehler tun ihnen den Gefallen und trotzen den Wurzachern (mit dem Ex-Waldseer Peter Billmann auf der Trainerbank) ein 2:2 ab. Nach dem 4:0-Erfolg des FVW über Lindau und der erlösenden Meldung aus Bad Wurzach über das 2:2 des SV Kehlen mussten die Waldseer noch rund eine halbe Stunde warten, ehe sie den Meisterwimpel in Empfang nehmen konnten. Staffelleiter Heinz Ketterle war nämlich, in der sicheren Erwartung, dass Bad Wurzach Meister würde, dorthin gefahren. Schließlich überreichte Ketterle FVW-Sportchef Alfred Eßlinger und Kytka den Wimpel mit den Worten: „So scheah ka Fueßball sei.“ Worauf die Stimmung überschwappt und eine Sause ohnegleichen beginnt. Waldsee stand übrigens während der ganzen Saison nur einmal an der Tabellenspitze, nach dem letzten Spiel: ein perfektes “Timing“ , im Stile der Bayern. - 80 Mannschaften beteiligen sich beim 5. Jugendturnier, bei dem die E-Junioren des FC Zürich den Sieg davontragen. Im Endspiel der D-Junioren bezwingt der TSV Neu-Ulm den SSV Ulm 1846 mit 1:0.



2000: Kreismeister in der Halle

Die Kicker des FVW bestätigen einmal ihren Ruf als Hallenspezialisten und stehen im Januar bei den Kreismeisterschaften auf dem Siegertreppchen, vor 16 weiteren Teilnehmern. Im Endspiel fertigen sie das Team von Veranstalter SV Reute mit 4:0 ab. Ein schöner Erfolg, wenngleich Waldsees Spielertrainer Thomas Kytka das Niveau bei dem Turnier als „erschreckend“ empfindet. Erfolgreich sind er und die Seinen auch in der Landesliga-Saison 99/00, die sie als Neulinge immerhin auf Platz acht abschließen. Dank ihrer starken Defensivabteilung, die nur 37 Gegentreffer zulässt. Dabei spielen sie so oft unentschieden wie kein anderes Team, nämlich 14-mal. In der Vorrunde der Saison 00/01 schwächelt der FVW dagegen enorm, bis zur Winterpause bringt er es auf magere 13 Punkte und sich damit in höchste Abstiegsgefahr.


2001: Aufholjagd kommt zu spät - Abstieg aus der Landesliga

Otto Gaissert

Trainerwechsel am Anfang des Jahres:Thomas Kytka geht (als Spieler zum österreichischen Drittligisten VfB Hohenems), Otto Gaissert (Foto) kommt. Nach dem schwachen Abscheiden in der Vorrunde und dem dürftigen Trainingsbesuch bekennt „Kitti“: „Ich war wohl zu sehr Kumpel, habe zu sehr auf die Vernunft gesetzt.“ Und: „Bei aller Liebe zu Waldsee, mein eigentlich zu später Rücktritt ist die beste Lösung für beide Seiten.“ Mit dem neuen Coach („Das Ding packen wir“) wollen die Waldseer ihren Rückstand von sieben Punkten zum rettenden Landesliga-Ufer aufholen. Was letztlich - trotz einer respektablen Aufholjagd nicht gelingt. Gaissert verlässt den Verein im Sommer wieder, „mangels Perspektiven“. Den Neuaufbau soll ein alter Bekannter bewerkstelligen: Harald Lutz (vom SV Reute kommend), der damit zum vierten Mal als Trainer in Waldsee anheuert. Kein leichtes Unterfangen, denn 11 Neuzugängen stehen 15 Abgänge gegenüber. Offenbar zu viel der Wechsel, denn der FVW krebst von Anfang im Tabellenkeller der Bezirksliga Bodensee herum. - Im Sommer weilt Zweit-Bundesligist Hannover 96 mit Trainer Ralf Rangnick zum Trainingslager in Waldsee. Ein gutes Pflaster, wie sich später herausstellt: Die Hannoveraner schaffen den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs. 

Das Jugendturnier erfreut sich regen Zuspruchs und prominenter Teilnehmer: Die E-Jugend des VfB Stuttgart verliert im Finale gegen die SG Kisslegg aber mit 0:2. Das Turnier der D-Jugend gewinnt zum dritten Mal der TSV Neu-Ulm.
Die Frauenschaft beklagt Personal-Mangel: Nur 13 Spielerinnen stehen Trainer Alan Williams zur Verfügung, statt der erforderlichen 18.


2002: Der FVW wird durchgereicht in die Kreisliga A

Der FVW wird duchgereicht: Nach dem Abstieg aus der Landesliga ist auch die Bezirksliga eine Nummer zu groß für die junge Garde und der Fall in die Kreisliga A unvermeidlich. Den "Todesstoß" versetzt ihr im Derby ausgerechnet der Ortsrivale SV Haisterkirch, der am Ende aber auch den sauren Apfel des Abstiegs beißen muss. Waldsees Trainer Harald Lutz, zum ersten Mal abgestiegen in seiner Karriere, befindet hernach: „So schlimm ist das ja gar nicht.“


2003: Erste unter Druck - Zweite in der Erfolgsspur

Alois Mock

Der Wiederaufstieg ins Bezirksoberhaus lässt auf sich warten: Auf Platz vier beschließt der FVW die Kreisliga-A-Runde 02/03 - satte 15 Punkte hinter Meister SV Reute. Trainer Harald Lutz wechselt daraufhin zum FV Altshausen, dafür kommt Alois Mock (Foto) vom SV Weingarten II. Nach der Vorrunde ist er aber mit seinem Team von den eigenen Vorgaben („Wir wollen aufsteigen“) meilenweit entfernt. „Die Erwartungshaltung war zu groß, die Mannschaft hat diesem massiven Druck nicht Stand gehalten, dafür ist sie einfach noch zu jung“, meint der Coach, nachdem sich Routinier Thomas Kytka im Herbst zurückgezogen hatte. In der Erfolgsspur befindet sich dagegen die Zweite: Nach der Vizemeisterschaft 02/03 setzt sie noch einen drauf und geht sogar als Tabellenführer der Kreisliga B in die Winterpause. - Bei hervorragendem Wetter läuft das Internationale Jugendturnier mit 400 Übernachtungsgästen und 800 Jugendspielern. Das Turnier der B-Mädchen gewinnt der FV Bad Waldsee. 



2004: Trainer-Turbulenzen und ein Meisterstück

 

Dietmar Hatzing

Anfang März wirft Trainer Alois Mock nach nur neun Monaten das Handtuch. „Von Anfang an wurde im Umfeld Stimmung gegen mich gemacht", begründet er seinen Schritt. Nach den vorhergegangenen Rücktritten des Vorsitzenden Otmar Massier, des Spielleiters Thomas Müller und weiterer Führungskräfte - die ihm immer den Rücken gestärkt hatten - sei er alsbald von ihm „wohl gesonnenen Leuten" darü­ber informiert worden, dass „etwas im Busch ist", erklärt er der Schwäbischen Zeitung. Außerdem sei er vor die Wahl gestellt wor­den: selber zu gehen oder vom Verein gegangen zu werden. Er habe erstere Lösung vorgezogen, zumal sich das „vergiftete Klima" auch auf sein Pri­vatleben ausgewirkt habe. Spielleiter Thomas Kytka übernimmt vorüberge­hend die Leitung des Trainings, um alsbald einen Nachfolger für den Trainer Kytka zu suchen. 

Uwe Leuter

Selbiges gelingt: Mit Dietmar Hatzing (rechts) gewinnt er einen alten Spezi und Mitspieler aus erfolgreichen Landesliga-Zeiten als Übungsleiter. Unter Hatzing spielt die Mannschaft 04/05 dann wieder vorne mit, nachdem sie die Vorsaison, trotz eines blitzsauberen Schlussspurts, mit einem ernüchternden achten Platz in der Kreisliga A beendet hatte. - Die Zweite mit Trainer Murat Kücük macht dagegen das Meisterstück in der Kreisliga B, verzichtet aber auf den Aufstieg. Uwe Weinert (links), mittlerweile zum Präsidenten gewählt, führt den "zu kleinen Kader“ als Grund an. Und: Die Zweite bestreite dann nicht mehr regelmäßig die Vorspiele der Ersten, was letztlich zu einer „Trennung“ führe und zur „Gefährdung der Kameradschaft“. 



2005: Benefizturnier bringt über 3000 Euro für schwerkranke Kinder

 

Werner Grinschgl

Beim Waldseer Benefizturnier der AH-Fußballer geht das Vogtlandteam als Sieger hervor. Großer Gewinner ist aber die „Wunschinsel“, ihr fließt nämlich der gesamte Erlös der Veranstaltung zu: über 3000 Euro. Den stattlichen Betrag, der sich aus Spenden und einer Tombola der AH-Cracks zusammensetzt, verwendet die „Wunschinsel“ für schwerkranke Kinder beziehungsweise die Erfüllung deren Herzenswünschen. Klar, dass die Veranstalter viele lobende Worte zu hören bekommen. Sie gelten vor allem Werner Grinschgl (rechts) vom FV Bad Waldsee und Klaus-Michael Schindelmeier, dem Geschäftsführer des örtlichen Golf- und Vitalparks. Sie waren die treibenden Kräfte der Veranstaltung. Turniersieger wird der Oldie-Weltmeister 2004, die Vogtlandauswahl, obschon sie ihr erstes Spiel gegen den FV Bad Waldsee mit 1:2 verloren hatte. Der auf dem Zahnfleisch daherkommende FVW (unten) kommt im letzten Match gegen SV Reute nicht über ein 0:0 hinaus und „verschenkt“ so den Turniersieg. - Die Erste belegt hinter Meister FV Ravensburg II und der SG Baienfurt den dritten Rang in der Kreisliga A-Saison 04/05, dem Trainer Dietmar Hatzing nicht viel abgewinnen kann: „Wir haben zu viele Punkte in der Vorrunde abgegeben und uns im direkten Vergleich gegen Baienfurt (schaffte als Zweiter über die Relegation den Aufstieg) einfach zu naiv angestellt.“ Die zweite Mannschaft holt erneut den Titel in der Kreisliga B und verzichtet erneut auf den Aufstieg. Was auch im Sinne von Trainer Murat Kücük ist: „Lieber nächstes Jahr in der Kreisliga B wieder vorne mitspielen als eine Klasse höher gegen den Abstieg. Gewinnen macht einfach mehr Spaß.“ 


AH


2006: Aufstieg im Doppelpack

Aufstieg

Der FVW schließt die Saison 05/06 hinter dem TSV Berg als Tabellenzweiter in der Kreisliga A ab, schafft aber über die Relegation doch noch den Aufstieg in die Bezirksliga: Dem Sieg gegen den FC Leutkirch (3:2 nach Verlängerung) lassen Spielertrainer Dietmar Hatzing und seine Mitstreiter ein 4:1 nach Verlängerung über den FC Lindenberg folgen. Beide "Krimis" werden vor jeweils 700 Zuschauern ausgetragen. Präsident Uwe Leuter lobt bei der anschließenden Sause im Vereinsheim die Protagonisten über den Schellenkönig: „Es hat alles gepasst in dieser Saison, nicht nur in den Relegationsspielen.“ Maßgeblichen Anteil am Aufstieg hat der 40-jährige Thomas Kytka, der als Allrounder glänzt und nach Bedarf als Sturmführer für Tore sorgt oder als Abwehrchef selbige verhindert. - Anlass zum Feiern gibt auch das Frauenteam, das an seinem zehnten Geburtstag den Meisterwimpel holt.


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